Das Stück dauert 85 Minuten ohne Pause
Der Räuber Hotzenplotz wird gespielt von Ralph Wörheide.
Elberfeld
Das Kinder- und Jugendtheater zelebriert den Wirbel um die gestohlene Kaffeemühle
Von Tanja Heil
Schwer bewaffnet schleicht der Räuber Hotzenplotz im Kinder- und Jugendtheater auf die Bühne. Drei lange Messer stecken in der Weste, die viel zu groß um den schmächtigen Ralph Wörheide schlottert – und die nostalgische Pistole hängt griffbereit am Gürtel. Ein dicker schwarzer Bart und natürlich der berühmte Hotzenplotz-Hut schenken ihm ein grimmiges Aussehen. Matthias Brandebusemeyer inszeniert den Kinderbuch-Klassiker von Otfried Preußler auf der Bühne des Berufskollegs Elberfeld zum 40. Geburtstag des Kinder- und Jugendtheaters in bewährt märchenhafter Form.
Immer wieder lustige Namendreher
Überdeutlich agieren Kasperl (Sophie Schwerter) und Seppel (Yannick Bartsch) und sprechen damit auch die jüngsten Zuschauer an. Wenn sie die Namen wieder und wieder neu verdrehen, juchzen die kleinen Gäste in den vorderen Reihen. Die Großmutter (Aniko Elias) könnte mit ihrem Häubchen, ihrer Schürze und Brille aus dem Bilderbuch stammen. Liebevoll umarmt sie Kasperl und Seppel und bedankt sich für die musizierende Kaffeemühle.
Eher eine Randfigur bleibt hingegen Wachtmeister Dimpfelmoser (Heier Waniek). Besonders variabel sind die Bühnenbild-Teile von Laurentiu Tuturuga. Das Häuschen der Großmutter wird in zwei Teilen umgedreht und mutiert zu Bäumen, deren Astbüschel munter schwankend hochgezogen werden. Andere Bäume hingegen bilden von hinten Hotzenplotzens Räuberhöhle oder das Schloss von Zauberer Petrosilius Zwackelmann. Die großen Zuschauer erfreuen sich an den auf die Kulissen gepinselten Bezeichnungen wie „rundes Fenster”, „dichtes Dickicht” oder einfach „Ding Dong”.
Auch die Bühnenarbeiter spielen mit ihrer Unsichtbarkeit. „Bühnenzauber” oder „schnell, schnell” steht auf ihren T-Shirts. Buntes Lichtgewitter erscheint, wenn Zwackelmann Hotzenplotz in einen Vogel verzaubert oder Kasperl die Fee Amaryllis (Rita Reineke) aus der Unke zurückverwandelt. Kleine Hilfszauberer sorgen für die endgültige Umwandlung. Nie wird es zu spannend, der pfiffige Kasperl hat die Situation immer im Griff.
Und am Ende geht natürlich alles gut aus: Der Räuber landet im Gefängnis, die Großmutter bekommt ihre Kaffeemühle wieder und Kasperl und Seppel dürfen Pflaumenkuchen essen, bis sie Bauchweh bekommen.
Von Elisabeth Erbe
"Die Kaffeemühle will ich haben", schrie der Räuber der alten Dame zu und verschwand damit in den Wald. Nicht in den Wald, sondern in die Lenneper Klosterkirche strömten am ersten Adventssonntag trotz ungemütlichen Wetters viele Eltern mit ihren Kindern, um die Geschichte von "Räuber Hotzenplotz" aus der Feder von Otfried Preußler zu erleben. Die Kinder hatten dabei beste Sicht auf die Darbietung des Kinder- und Jugendtheaters Wuppertal. Für sie waren die ersten Reihen reserviert. Kinder sind bei der Suche nach dem Räuber voll dabei. Kasperl (Sophie Schwerter) und Seppel (Yannick Bartsch) machten sich auf die Suche nach dem diebischen Hotzenplotz (Ralph Wörheide), den sie mit einer List entlarven wollten. Von Anfang an waren die Kinder begeistert und fieberten mit, als es darum ging, den Räuber im Wald zu finden.
"Genau deswegen macht Kindertheater so viel Spaß, weil das Publikum so mitgeht", verriet Seppel alias Yannick Bartsch nach der Aufführung. Gelungen auch die märchenhafte Bühnen- und Kostümausstattung, besonders der cholerische Zauberer Petrosilius Zwackelmann (Heiner Waniek), der glitzerte und glänzte wie ein Edelstein. Mit seinem Kostüm machte er der schönen Fee Amaryllis (Rita Reineke) reichlich Konkurrenz. Ein Stück mit vielen Facetten und hervorragenden Darstellern, in dem sich sowohl die Jungen als auch die Mädchen unter den Besuchern wiederfinden konnten.
Und wie bei jedem gelungenen Märchen siegte auch in der Klosterkirche das Gute über das Böse: Der böse Zauberer platzte vor Wut, der Räuber kam ins Gefängnis und die Oma hatte ihre Kaffeemühle wieder. Die fünfjährige Lana war mit ihren Eltern gekommen. "Wir fanden's alle richtig schön", fasste die Mutter strahlend zusammen. 1971 war "Räuber Hotzenplotz" die erste Inszenierung des Wuppertaler Kinder- und Jugendtheaters. Auch vierzig Jahre später hatte das von Regisseur Matthias Brandebusemeyer inszenierte Stück keine Probleme damit, die Kinder in den Bann zu ziehen.