Wir trauern um Matthias Burkert

Am 27.10.22 verstarb Matthias Burkert, der von 1976 bis 2002 mehr als ein Vierteljahrhundert für unser Theater nicht nur bis heute unvergessene Lieder und Musiken geschrieben hat, sondern auch als Mensch einen prägenden Einfluss auf unser Theater gehabt hat. Hier links zu sehen mit Herwig Mark, dem damaligen künstlerischen Leiter.

 

Erinnerungen von Uwe Weinreich

Ach, Mattis – so nannte ich Matthias immer, nachdem wir, vom Wuppertaler Kindertheater, 1991 „Ronja Räubertochter“ gespielt hatten – ich muss schon tief in meinen Erinnerungen graben, und ich hoffe, du hilfst mir ein wenig dabei.


Es war 1976, und ich begegnete dir auf einer Probe zu „Nucki darf alles“. Es war die hohe Zeit der pädagogischen Kindertheaterstücke. Kinder sollten nicht nur Spaß haben sondern auch etwas lernen. Bei diesem Kinderstück gab es ganz viel Musik. Und da kamst du ins Spiel; denn du hattest Musik und Lieder komponiert, die wir dann mit deiner Hilfe einstudierten. Ich sage „wir“, obwohl ich gar nicht mitspielte. Zu der Zeit bestand das Ensemble des Theaters nicht, wie heute, nur aus denen, die in einem Stück beschäftigt waren, sondern aus allen, die sich dem Theater zugehörig fühlten, sodass bei den Proben immer auch „Nichtbeschäftigte“ anwesend waren. Und nach den Proben gingen wir alle zu „Geiges“, einer in Barmen bekannten Gaststätte. Und du, Matthias gingst immer gerne mit. Ja, so lernten wir uns kennen.

Das Kindertheater steckte damals noch in den Kinderschuhen, und für uns, die Schauspieler, war das alles ein großer Spaß. Paul Winterling hatte neben uns Laien einen ganzen Stab von professionellen Theatermenschen für Technik, Maske, Ton etc. gewinnen können. Wir waren ein bunter Haufen von Menschen jeden Alters, probten während der Woche und beluden samstags einen LKW, mit dem wir zu unseren Aufführungsorten fuhren, jeden Samstags woanders. Ja Mattis, und für die Musik warst einzig und alleine du verantwortlich. Du nahmst diese Aufgabe sehr ernst und probtest mit uns solange bis alles saß. Und auch, wenn wir von der Spaßfraktion keine Lust mehr hatten, wieder und wieder eine Liedzeile zu singen, du warst streng mit uns; aber wir respektierten dich sehr. Und das sollte für die nächsten 75 Inszenierungen so bleiben. Keiner von uns allen hat so vielen Stücken seinen Stempel aufgedrückt. Du komponiertest, schriebst Lieder, Zwischenmusiken für die Umbauten, nahmst Geräusche auf und (wir waren damals noch analog unterwegs) schnittest die Tonbänder 26 Jahre lang.
Irgendwer  nannte dich dann mal unseren „Klassensprecher“. Ja, das warst du wirklich, für jeden von uns, auch für die, die viel älter waren als du. Matthias war unser Klassensprecher, und als solcher mischte er sich auch immer wieder gerne in die Regiearbeit von Paul Winterling und seinem Nachfolger Herwig Mark ein.

Matthias hatte ganz klare Vorstellungen, wie die Musik eingesetzt werden musste, damit sie optimal zur Geltung kam. Er konnte sich durchsetzen, weil er auch bei Regie, Bühnenbild und Choreografie ein hohes Ansehen genoss. Nun denkt nicht, Matthias war so ein verknöcherter, staubtrockener Musiklehrer. Nein, das war er nicht. Du liebtest es Feste mit uns zu feiern, konntest lachen wie kein Zweiter und warst dir nicht zu schade. auf der Ladefläche eines LKWs am Klavier zu sitzen und so auf dem Von der Heydt Platz zusammen mit dem Ensemble von „Die Bremer Stadtmusikanten“ deine Lieder als Werbeveranstaltung zu singen.  Doch Mattis, mit dir konnte man Spaß haben, viel Spaß.

Und selbst als du Pina Bausch kennen lerntest und Teil ihrer Companie wurdest, bliebst du immer uns, deinem alten Kindertheater treu und das über 26 Jahre. Wir vom Theater, die dich kennengelernt haben, werden dich nicht vergessen.
Lieber Mattis, Danke für alles.


Dein Uwe