Nachruf zum Tod von Uwe Böhme

Uwe Böhme ist gestorben.
Nur die wenigsten des jetzigen Ensembles des Wuppertaler Kinder- und Jugendtheaters werden sich an diesen Namen erinnern.
Uwe Böhme war der erste Bühnenbildner unseres Theaters, ach was sag ich, er war ein Multitalent, er war Tischler, Schlosser, Maler, Bildhauer, Lehrer, Bühnenbildner und, und, und… Er war der ideale Partner für die ersten beiden künstlerischen Leiter des Theaters, Paul Winterling und Herwig Mark, und verantwortlich für Entwurf und Herstellung von Bühnenbild und Requisiten der ersten 49 Inszenierungen zwischen 1971 und 1986. Nachdem Laurentiu Tuturuga den Bühnenbildentwurf übernahm, baute Uwe Böhme noch einige Jahre die Bilder. Sein Meisterstück lieferte er sicherlich ab, als wir im Keller der Historischen Stadthalle Elberfeld unser eigenes Theater herrichten konnte. Mit Hilfe des ganzen Ensembles zauberte er aus einer „Bruchbude“ ein kleines, feines Theater für 100 Zuschauer (heute ist dort das Restaurant „Rossini). Und die erste Inszenierung dort war „Das Tagebuch der Anne Frank“, Uwe Böhmes letztes Bühnenbild, das er verantwortlich baute, und was für eins. Das gesamte Hinterhaus der Familie Frank entstand und ohne Umbauten, alle Schauspieler von Anfang bis Ende auf der Bühne, wurde diese Stück das erste und auch erfolgreichste Jugendstück in der Geschichte unseres Theaters. Und das war auch der Verdienst von Uwe Böhme.
Uwe Böhme war gelernter Tischler und Absolvent der Werkkunstschule. Darüber hinaus hatte er ein wunderbares Talent mit Jugendlichen umzugehen, was ihn in die Ausbildung der Fa. Herberts führte, wo ja mehr oder weniger die Wiege unseres Theaters stand und wo er den Schauspieler Paul Winterling kennenlernte.
Die Werkstatt unseres Theaters war am Anfang die Lehrwerkstatt der Firma Herberts und Uwe Böhmes Reich. Es war sein Wohnzimmer. Hier dachte er sich alles Mögliche und Unmögliche aus und setzte es auch selbst mit Hilfe von Jugendlichen um. Er sammelte wochenlang Joghurtbecher oder Teedosen, um daraus einen Fries für ein Königsschloss werden zu lassen, oder er besorgte sich Mauerreste alter Abbruchhäuser um davon Abdrücke zu formen, die dann ebenfalls Teil des Bühnenbilds wurden.
Brauchten wir einen Holzofen im Bühnenbild, so nahmen wir keinen echten, sondern Uwe Böhme baute ihn aus Holzresten und Pappmaché täuschend echt inclusive Ofenrohr. Er war eine Respektsperson, was auch daran zu messen ist, dass sich zwar am Theater immer schon Hinz und Kunz duzten, Uwe Böhme aber war immer Herr Böhme. Und wenn mal eine Inszenierung nur 50 Minuten dauerte, so war Uwe Böhme auch hier der Mann für alle Fälle. Er referierte, bevor es auf der Bühne losging, über „das bedeutendste Teil des Bühnenbilds – den Bühnennagel“, und das machte er sehr spannend.
Viele aus dem Ensemble der frühen Jahre haben viel, sehr viel bei ihm gelernt.
Uwe Weinreich

Ein Dank geht an "unseren Bildarchivar" Udo Dülme, der uns eine Auswahl an Bildern sofort zur Verfügung stellte.