Kritik

Westdeutsche Zeitung vom 12. November 2018
Martin Hagemeyer

Jugendtheater trumpft mit Talenten auf
Emil und die Detektive“ feierte am Wochenende eine gelungene Premiere.

Ein Kinderklassiker feierte Premiere beim Kinder- und Jugendtheater: „Emil und die Detektive“ nach dem Roman von Erich Kästner. Das Stück bot aber noch mehr: Vor den Augen der Zuschauer entspann sich eine Zeitreise in die Zwanziger, und hinzu kam eine weitere Besonderheit – es gab ein waschechtes Musical. Die Darsteller singen und tanzen und ein echtes Orchester spielt. Diese Kooperation mit der Bergischen Musikschule ist ein Novum für Fans dieses Theaters.

Die Handlung ist schnell erzählt: Emil, der zwölfjährige Kleinstädter, wird in der Metropole Berlin prompt Opfer eines Diebes. Bald schließt er aber Freundschaften vor Ort, und so vereint bringen die Kinder den üblen Grundeis zur Strecke – sogar ein Hotelpage macht mit. In der Aula an der Bundesallee machen dreizehn Kinder plus fünf Erwachsenen daraus ein Abenteuer zum Sehen, Hören und Mitfiebern.

Zusammenhalten mit cleverem Anführer – davon erzählt auch die Musik: „Parole Emil!“, das ist nicht nur das Schlüsselwort, sondern auch der Hit mit den wohl größten Ohrwurmqualitäten (Leitung Gesang: Uli Wewelsiep). Doch auch ein Solo wie das von Emil (heute Jonah Krüger) ließ sich hören und warf ein Schlaglicht auf seine Lage: „Die Straßen schimmern kalt und glatt / In dieser großen Stadt / Die so viele Menschen hat.“ Und der böse Grundeis (heute Tim Neuhaus) beschrieb mit schmierigem Gesang sich selbst: „Ich hasse kleine Mädchen / Und die kleinen Jungs nicht minder / Ich hasse Kinder!“

Die Story als solche ist so zeitlos wie unspektakulär. Vielleicht daher setzt Regisseur Peter Adrian Krahl auf den historischen Blick. Ganz deutlich wird das mit der übergroßen Einblendung von Fotos aus den 1920er Jahren – etwa vom Café, in dem der Bösewicht einkehrt. Und auch die Livemusik fügt sich in dieses Konzept: Das am Rand des Spiels agierende Orchester (Leitung Robert Boden) wird nicht zufällig an musikalische Untermalung wie beim Stummfilm erinnern.

Schön dabei ist die Ausstattung, die das Zeitkolorit nicht überzeichnet: Für die multiplen Bühnenelemente ist Laurentiu Tuturuga seit langem berühmt – hier sind sie per Drehung umnutzbar als Bahnabteil oder auch Hotelzimmer. Auffällig ist aber, dass sie farblich neutral und zudem zweidimensional sind, also Fläche ohne weitere Details. Zu sehr ausstaffiert werden muss der Trip ins Gestern nicht – auch ästhetisch eine feine Entscheidung.

Vor zwölf Jahren stand „Emil und die Detektive“ schon einmal auf dem Programm des Kinder- und Jugendtheaters. Ralf Stallmann von der damaligen Besetzung ist als einziger auch diesmal dabei – als Gauner Grundeis in der zeitlich ersten Besetzung. Wenn „Emil“ zuweilen an Stadttheatern gespielt wird, stehen erwachsene Schauspieler auf der Bühne. Wuppertals gekonnte Jugendtruppe dagegen kann mit Talenten im realen Kindesalter trumpfen.

Das Stück ist bis Ende Januar zu sehen. Termine unter www.kinder-jugendtheater.de