Das Stück

Eine Inszenierung des Theaterclubs Lampenfieber
Jugend ohne Gott
nach dem Roman von Ödön von Horváth
ein Stück für Jugendliche ab 14 Jahre
Kursleitung und Regie: Annegret Calaminus und Lars Emrich

„Ach, die Jugend von heute…” Generationen mussten und müssen diesen häufig mit einem Seufzer vorgetragenen Ausspruch immer und immer wieder über sich ergehen lassen. „Jugend ohne Gott” war 1937, im Jahr des Erscheinens, geradezu eine literarische Offenbarung, eine Warnung vor dem konformistischen Zeitgeist. Der Roman wird aus der Perspektive eines Lehrers erzählt. Er hat seinen Glauben sowohl an Gott als auch an die Menschheit verloren. Dennoch möchte er seine Schüler zu besseren Menschen erziehen. Nur, wie soll das Gelingen in einer Zeit, in der die Lüge täglich im Radio zur Wahrheit geadelt wird? „Wenn‘s auch weh tut, was vermag der einzelne gegen alle?” Jugend ohne Gott ist genau diese Erzählung. Was geschieht mit dem Einzelnen, wenn die Masse dem kollektiven Wahn verfällt? Kann man sich dagegen wehren? Und wenn ja, wie? Und wenn nein, wie erträgt man dann den Mob? Und wie soll man nicht selbst dem Wahnsinn verfallen, wenn man als Lehrer plötzlich die Schüler „moralisch zum Krieg erziehen” soll?
In einem Feldlager, das in der Ferienzeit zur prämilitärischen Ausbildung der Schüler genutzt wird, treten die Konflikte unter den Schülern deutlich zutage und am Ende ist einer von ihnen tot. War es ein Unfall? War es Mord? Wer ist die Jugendbande im Wald, deren Anführerin ein Verhältnis mit einem der Schüler im Lager beginnt? Horváth nutzt dieses Netz aus Beziehungen, um grundsätzliche Fragen von Moral und Schuld zu stellen und diese in ein Geflecht aus kollektiver Konformität und skrupellosem Individualismus zu stellen – und eine Geschichte zu erzählen, die einen in keinem Moment loslässt.

Ödön von Horváth wurde am 9. Dezember 1901 in Sušak, einem kleinen Ort im heutigen Kroatien, geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Belgrad, Budapest, Pressburg und München. Obwohl ungarischer Staatsbürger, schrieb er auf Deutsch. Den ersten großen Erfolg hatte er mit seinem Stück „Die Bergbahn”, das 1929 in Berlin uraufgeführt wurde. Weitere Erfolge machten ihn zu einem der bedeutendsten Theaterautoren seiner Zeit. Für sein Bühnenstück „Geschichten aus dem Wiener Wald” bekam er den Kleist-Preis. Nach dem „Anschluss Österreichs” verließ er Deutschland, nachdem seine Werke zuvor bereits mit einem Publikations- und Aufführungsverbot verhängt worden waren. Er starb am 1. Juni 1938 in Paris, als er sich vor einem Gewitter auf den Champs-Elysées unter einen Baum flüchtete und dort von einem Ast erschlagen wurde.
Premiere: Freitag, 5. Juni 2020, 18.00 Uhr
Theater im Berufskolleg Elberfeld, Bundesallee 222